IPU Berlin

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Klassiker der Psychoanalyse: Jenseits des Lustprinzips (Teil 1)

Klassiker der Psychoanalyse: Jenseits des Lustprinzips (Teil 1)

100 Jahre Jenseits des Lustprinzips – ein Buch, das sowohl einen Wendepunkt im Denken des Autors Sigmund Freud als auch in der psychoanalytischen Theorie überhaupt markiert. Konzepte, wie etwa den Todestrieb und den Wiederholungszwang, führt Freud 1920 erstmals in seinem Werk ein. Was es damit auf sich hat und welche Folgen und Kontroversen die theoretische Generalüberholung ideengeschichtlich hatte, dem wollen wir uns zum 100-Jährigen der Abhandlung in einer dreiteiligen Mini-Serie widmen. Im ersten Teil dieser Serie führt Prof. Dr. Elfriede Löchel von der IPU Berlin mit einem Vortrag durch die Abhandlung und gibt eine ganz eigene Leseempfehlung ab.

Hilfe in der sensibelsten Phase des Lebens

Die Beziehung zwischen Eltern und Kind in den Blick nehmen: Die von IPU-Professorin Christiane Ludwig-Körner entwickelte Eltern-Säugling-Kleinkind-Psychotherapie bietet Hilfe, wenn junge Eltern sie benötigen. Im Beitrag erklärt sie gemeinsam mit Gabriele Koch aus der Forschungsgruppe der IPU, warum die frühe Lebensphase so wichtig für das spätere Leben ist, wie eine gute Entwicklung aussehen kann und welche Unterstützungsmöglichkeiten sinnvoll sind. Kontakt zur Forschungsgruppe kann online, per E-Mail oder Telefon aufgenommen werden.

SKKIPPI-Forschungsgruppe: www.skkippi.de
Tel.: 030-300 117 775
Telefonische Sprechzeiten: Mo-Fr 12.00 – 14.30 Uhr
E-Mail: skkippi@ipu-berlin.de

Ödipus-online, Fort-da-Spiel oder exzentrisches Selbst?

Was hat die Psychoanalyse zu Social Media zu sagen? Der Vortrag von Prof. Dr. Elfriede Löchel stellt kontroverse Konzepte zu diesem relativ jungen Forschungsfeld vor. Das Überwiegen einer kulturpessimistischen Sicht und der Mangel an klinischer und empirischer Forschung werden kritisch beleuchtet. Drei psychoanalytische Schlüsselbegriffe – Ödipuskomplex, Fort-Da-Spiel und Übergangsraum – werden daraufhin befragt, inwieweit sie sich zur Erfassung neuer subjektiver Phänomene eignen. Exemplarisch werden Ausschnitte aus Forschungsinterviews vorgestellt, in denen zwanzigjährige Studierende über ihre persönliche Erfahrung mit Facebook sprechen.

Jenseits von Aggression, Fusion und Depression? Konturen eines mediopassiven Weltverhältnisses

Prof. Dr. Hartmut Rosa entwickelt in seinem Vortrag zunächst – in Auseinandersetzung mit Überlegungen Erich Fromms – die These, dass das moderne Weltverhältnis von der Angst existentieller Isolation und Einsamkeit beherrscht ist, aus der sich drei problematische Strategien der Weltbearbeitung ergeben: Eine erste und dominante Reaktion auf die Isolationsdrohung besteht in der Entwicklung einer aggressiven Weltbeziehung, deren Ziel die (grenzenlose) Verfügbarmachung von Welt ist. Die zweite Reaktionsweise besteht im Streben nach einer entindividualisierenden Fusion mit einem kollektiven Ganzen. Als dritte Reaktionsform schließlich lässt sich ein depressives Weltverhältnis beobachten, das mit dem Verlust jeglicher Selbstwirksamkeitshoffnung verknüpft ist.

Demgegenüber versucht der Vortrag dann die Konturen eines alternativen Weltverhältnisses zu entwerfen, das zwischen der Allmachtsphantasie der ersten und der Ohnmachtserfahrung der dritten Strategie eine ‚mediopassive‘ Form der Weltbeziehung realisiert, in der sich Subjekte weder als allmächtige Täter noch als ohnmächtige Opfer, sondern als teilmächtige, selbstwirksame und responsive Teilhabende verstehen. Auf diese Weise lassen sich politische, ökologische und biographische Weltbeziehungen neu denken.

Lesung von Joachim Meyerhoff

Lesung mit dem Autoren und Schauspiel Joachim Meyerhoff an der IPU Berlin.

In „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ wird auf eine humorvolle, anekdotenhafte und melancholische Weise die Kindheit des Autors behandelt. Joachim Meyerhoff erzählt von seinen damaligen Erlebnissen und Erfahrungen sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hesterberg bei Schleswig, die sein Vater leitete. Bei allem Humor bildet am Ende die Erfahrung von Verlust, Tod und Sehnsucht den Kern des Romans. Das Buch ist Teil einer Romanreihe, deren erstes Werk Amerika bildet und die auf den gleichnamigen Theaterstücken basiert, die der Autor auch selbst inszenierte. Seit 2018 ist Meyerhoff Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne.

Zum Buch:
Der Protagonist in Joachim Meyerhoffs zweitem Roman ist der jüngste Sohn eines Direktors einer Kinder- und Jugendpsychiatrie und wächst zwischen etwa 1.200 Patienten des Vaters auf – eine Situation, die ihm durchaus gefällt. Mit Vater, Mutter und zwei älteren Brüdern lebt der junge Held auf dem Psychiatriegelände und kommt immer wieder mit den Patienten in lebendigen Kontakt, etwa wenn ein riesiger Patient ihn auf den Schultern durch das Arbeitsgelände trägt. Das Familienleben erweist sich als abwechslungs- und konfliktreich: Die beiden großen Brüder sind mit ihren Hobbies beschäftigt und haben für ihren kleinen Bruder nur wenig übrig. Der Vater widmet sich überwiegend der Arbeit und den Theorien. Selbst die Freizeit verbringt er überwiegend mit Büchern in seinem Lesezimmer. Dagegen ist er in praktischen Dingen weitestgehend unbeholfen, weshalb vor allem die Mutter den Alltag besorgt.

How Psychoanalysis Got Sexually Conservative: The ‚Jewish Science‘ Crosses the Atlantic

In no other time and place was Freudian psychoanalysis more successful than in the first two Cold War decades in the US. This was also a time and place when psychoanalysis was intensely conservative – especially sexually conservative.

In this lecture, Dagmar Herzog shows that the florid misogyny and homophobia were not merely products of generalized Cold War trends, but rather a side-effect of widely broadcast battles over the relationship between religion and psychoanalysis, as the “Jewish science” of psychoanalysis underwent a process of “Christianization” in the postwar US.

In addition, tracing the arc from Karen Horney’s Neurotic Personality of Our Time to Alfred Kinsey’s Sexual Behavior in the Human Male, the lecture will explore how complex processes of de- and resexualization and profound ambivalence about the status and meaning of the concept of “libido” were at the heart of a succession of fierce rivalries that helped determine the directions taken by American Freudians – with consequences for the fate of Freudianism as a whole.

Dagmar Herzog is Distinguished Professor of History at the Graduate Center, City University of New York. Her most recent books are Cold War Freud: Psychoanalysis in an Age of Catastrophes (Cambridge 2017), Unlearning Eugenics: Sexuality, Reproduction, and Disability in Post-Nazi Europe (Wisconsin 2018), and Lust und Verwundbarkeit: Zur Zeitgeschichte der Sexualität in Europa und den USA (Wallstein 2018).

„Is it just me or is it getting crazier out there?“

„Is it just me or is it getting crazier out there?“ – Joker, gespielt von Joaquin Phoenix, stellt diese Frage einer Sozialarbeiterin im Betreuungsgespräch. Dass die szenischen Räume, die Filme entfalten, eine verwandte Frage an die Gesellschaft stellen, wird bei kontroversen Filmen besonders deutlich. „Joker“, mit dem Goldenen Löwen auf der diesjährigen Biennale in Venedig ausgezeichnet, hat viele wütende, ja vernichtende Kritiken bekommen. Was taucht in den Besprechungen auf, was wird nie erwähnt, was wird projektiv hinzugefügt? Die Bestimmung der Abwehrvorgänge lässt sich, so die These des Vortrages von Prof. Dr. Reinhold Görling, als Hinweis auf die ebenso unausgesprochenen wie drängenden Fragen der Gegenwart lesen.

Burn-out: Was tun?

Prof. Dr. Dr. Dorothea Huber von der IPU Berlin spricht im Rahmen der Reihe "Psychoanalysis meets Organisation" über Burn-out. Es wird der Burn-out-Begriff eingeführt und kritisch diskutiert. Verschiedene Behandlungskonzepte werden kurz umrissen, einschließlich präventiver Maßnahmen.

Das Konzept zur Behandlung berufsbezogener Störung der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, München Klinik, wird dargestellt, ebenso eine empirische Studie zur Effektivität dieses Vorgehens, wobei die Patient_innen mit berufsbezogenen Störungen den anderen in der Tagesklinik behandelten Patient_innen gegenübergestellt werden.

"Don't just act, stand around"

An international research network that seeks to overcome war-related traumas. Headed by the IPU, this research network began a few years ago with the aim of bringing the once deeply hostile nations in the Balkan region into dialogue with each other. The core concept was and is Social Trauma, a clinical concept used to describe the mass traumatisation of whole groups of people. It is necessary in the project to look beyond the scientific horizon: The cooperation with people from refugee work was approached as well as the exchange with political decision-makers. In this audio report, you can listen how the work in the network began, which problems arose and how the story of the network evolved.

Music by Denis Stelmach – Afraid of Destiny (Main Theme, Intro/Outro) https://icons8.com/music/author/denis-stelmach, Moroza Knozova – O https://icons8.com/music/author/moroza-knozova, Max Sergeev – Other Rivers https://icons8.com/music/author/max-sergeev and Ilya Marfin – Think of you https://icons8.com/music/author/ilya-marfin

Statement zur Reform der Psychotherapeutenausbildung

In diesem Jahr soll ein Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung in Kraft treten. Zentrale Änderung ist die geplante Einführung eines sogenannten Direktstudiums Psychotherapie. Während aktuell ein Abschluss in Psychologie zur postgradualen Ausbildung in Psychotherapie an einem staatlich anerkannten Ausbildungsinstitut berechtigt, soll das Studium künftig mit einer Approbation enden. In einer dreijährigen Weiterbildung sollen die Kandidat_innen dann ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in einem der wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren vertiefen. Die Approbation würde sie berechtigen, in einer Klinik oder an einem Institut angestellt zu werden und so von Anfang an Geld zu verdienen. Aktuell stellt insbesondere das erste praktische Jahr der Ausbildung die Kandidat_innen vor finanzielle Probleme, da die Kliniken in dieser Zeit nur sehr geringe Vergütungen zahlen.

Die IPU-Präsidentin sieht anhand der Reform des Psychotherapeutengesetzes jedoch keine finanzielle Besserstellung. Im Gegenteil befürchtet sie, dass eine Senkung des Lohnniveaus bevorstünde. Derzeit bekommen Ausbildungskandidat_innen ab dem zweiten Jahr in den Ausbildungsinstituten etwa 85 bis 90 Prozent der von den Krankenkassen gezahlten Stundenhonorare.

Weitere Kritik übt Quindeau an den Kürzungen der akademischen psychologischen Studieninhalte, die durch eine Gesetzesreform nötig wären. Es müssten in derselben Studienzeit von 10 Semestern berufspraktische Kenntnisse vermittelt werden, die nicht zusätzlich gelehrt werden können, da der Umfang der Lehrveranstaltungen begrenzt ist. Diesbezüglich bemängelt die IPU-Präsidentin zudem, dass in den Reformprozess die Universitäten zu wenig einbezogen wurden.